Die Immobilienweisen haben gesprochen – und ihre Botschaft ist unmissverständlich: Die Preise steigen, der Neubau bricht weiter ein, und die Wohnungslücke wächst. Das Frühjahrsgutachten des Zentralen Immobilien Ausschusses (ZIA) für 2026 zeichnet ein Bild, das Vermieter und Hausverwaltungen gleichermaßen betrifft. Hier sind die Fakten und was sie für Ihre Immobilienstrategie bedeuten.
Jedes Jahr im Februar präsentieren die sogenannten Immobilienweisen – ein Gremium aus Ökonomen und Branchenexperten unter dem Dach des ZIA – ihr Frühjahrsgutachten. Es gilt als das wichtigste unabhängige Marktbarometer der deutschen Immobilienwirtschaft. Die Daten für 2026 sind ernüchternd und vielversprechend zugleich – je nachdem, auf welcher Seite des Marktes Sie stehen.
Preisanstieg: 4,2 Prozent im Bundesdurchschnitt
Die Zahlen des Verbands Deutscher Pfandbriefbanken (VDP) sprechen eine klare Sprache: Wohnimmobilien haben sich 2025 im Bundesdurchschnitt um 4,2 Prozent verteuert. Das ist doppelt so viel wie im Vorjahr. Die Krise am Immobilienmarkt, ausgelöst durch die Zinswende 2022 und 2023, scheint damit endgültig überwunden. Käufer und Bauherren haben sich an das höhere Zinsniveau gewöhnt – und kaufen trotzdem.
Besonders deutlich fiel der Anstieg bei Mehrfamilienhäusern aus: Plus 5,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Für Vermieter und Investoren, die in den vergangenen zwei Jahren zum ermäßigten Preis gekauft haben, ist das eine erfreuliche Nachricht. Wer dagegen noch auf fallende Preise gehofft hat, wird enttäuscht – dieser Zug ist abgefahren.
Bei selbst genutztem Wohneigentum – Einfamilienhäuser und Eigentumswohnungen – lag der Anstieg bei 3,0 Prozent. Solide, aber moderater als im Segment der Kapitalanleger. Der Grund: Eigennutzer reagieren empfindlicher auf Finanzierungskosten, während institutionelle Investoren längerfristig kalkulieren.
Regionale Unterschiede: Frankfurt vorn, Stuttgart hinten
Der Immobilienmarkt in Deutschland ist alles andere als homogen. In den sieben größten Metropolen – Berlin, Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg, Köln, München und Stuttgart – stiegen die Preise um durchschnittlich 4,7 Prozent. Aber die Spanne ist enorm:
- Frankfurt am Main: Plus 5,7 Prozent – stärkster Anstieg unter den Top-7-Städten. Die Bankenmetropole profitiert von der Rückkehr institutioneller Investoren.
- Berlin: Angebotsmieten bei 15,78 Euro pro Quadratmeter. Der Mietdruck bleibt hoch, die Nachfrage nach Wohnraum ungebrochen.
- München: Nach wie vor das teuerste Pflaster Deutschlands. Preise steigen, wenn auch nicht mehr mit der Dynamik früherer Jahre.
- Stuttgart: Plus 2,2 Prozent – der geringste Anstieg. Die schwäbische Zurückhaltung scheint auch auf den Immobilienmarkt abzufärben.
Für Vermieter und Hausverwaltungen, die Objekte in diesen Städten betreuen, hat das direkte Konsequenzen: Steigende Immobilienpreise in München und Frankfurt bedeuten auch steigende Vergleichsmieten – und damit Spielraum für Mieterhöhungen. Gleichzeitig steigen die Erwartungen der Mietenden an Ausstattung und Zustand der Wohnung. Wer die höheren Mieten rechtfertigen will, muss auch liefern.
Neubau: Weniger Wohnungen als erwartet
Die Kehrseite der steigenden Preise ist der sinkende Neubau. Und hier liefert das Frühjahrsgutachten beunruhigende Zahlen: 2025 wurden geschätzt knapp 235.000 Wohnungen fertiggestellt. Für 2026 rechnen die Immobilienweisen mit nur noch 215.000 Einheiten. Zum Vergleich: Der jährliche Bedarf liegt laut Gutachten bei knapp 258.000 neuen Wohnungen bis 2040.
Immobilienpreise in deutschen Großstädten 2025: Marktanalyse mit Prognosen
„Die Lücke schließt sich damit nicht, sie wächst“, sagt Ralph Henger vom Institut der deutschen Wirtschaft, einer der Autoren des Gutachtens. Und er hat recht: Wenn jedes Jahr 40.000 Wohnungen weniger gebaut werden als benötigt, summiert sich das Defizit schnell auf mehrere hunderttausend Einheiten. In Großstädten verschärft sich die Lage weiter – dort, wo die Nachfrage am höchsten ist, wird am wenigsten gebaut.
Ein Lichtblick: Die Baugenehmigungen sind 2025 um 10,5 Prozent gestiegen – auf 235.000 genehmigte Einheiten. Aber Henger relativiert auch das: „Dieser Anstieg kann den Rückgang der vorherigen Jahre nicht ausgleichen.“ Zwischen Baugenehmigung und Fertigstellung liegen in Deutschland im Schnitt zwei bis drei Jahre. Die genehmigten Wohnungen von 2025 werden also frühestens 2027 oder 2028 auf den Markt kommen.
Was das für Vermieter bedeutet
Weniger Neubau bei steigender Nachfrage – das ist die klassische Konstellation für steigende Mieten. Und genau das prognostiziert auch das Gutachten: Bundesweit lagen die Mieten Ende 2025 bereits 3,5 Prozent höher als ein Jahr zuvor. Für 2026 werden weitere Mietpreisanstiege erwartet.
Für Vermieter ist das zunächst eine gute Nachricht: Ihre Immobilie wird wertvoller und die erzielbaren Mieten steigen. Aber es gibt eine Kehrseite. Die Politik reagiert auf steigende Mieten mit strengerer Regulierung. Die verlängerte Mietpreisbremse bis 2029 und die geplante Mietrechtsreform mit Deckelung von Indexmieten zeigen die Richtung: Mieterhöhungen werden politisch schwieriger, auch wenn der Markt sie hergeben würde.
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Mieten: Der Druck bleibt hoch
Die Mietentwicklung ist eng mit dem Neubaudefizit verknüpft. Wo zu wenig gebaut wird, steigen die Mieten – das ist simples Angebot und Nachfrage. Die Daten des Frühjahrsgutachtens bestätigen diesen Zusammenhang eindrücklich.

In Frankfurt am Main wurden Wohnungen im Schnitt für 17,19 Euro pro Quadratmeter angeboten. In Berlin liegt der Durchschnitt bei 15,78 Euro. Das sind Angebotsmieten, also das, was Neuvermietungen kosten. Bestandsmieten liegen deutlich darunter – aber der Abstand schrumpft. Und genau das macht den Mietmarkt so angespannt: Wer umzieht, zahlt in vielen Städten erheblich mehr als in der vorherigen Wohnung. Das hält Menschen davon ab, umzuziehen – selbst wenn die aktuelle Wohnung nicht mehr passt.
Für Vermieter und Hausverwaltungen ergibt sich daraus eine paradoxe Situation: Die Nachfrage nach Mietwohnungen ist so hoch wie selten, gleichzeitig wird es immer schwieriger, Mieterhöhungen durchzusetzen. Die geplante Begrenzung von Indexmietverträgen und die Verschärfung der Mietpreisbremse schränken den Spielraum weiter ein.
Strategien für die Mietentwicklung
Wie können Vermieter in diesem Umfeld agieren? Drei Ansätze, die das Gutachten nahelegt:
Erstens: Bestandsmieten regelmäßig anpassen. Wer seit Jahren keine Mieterhöhung durchgeführt hat, verschenkt Geld. In Gebieten mit Mietspiegel können Sie die Miete auf die ortsübliche Vergleichsmiete anheben – im Rahmen der gesetzlichen Kappungsgrenzen von 20 Prozent in drei Jahren (15 Prozent in angespannten Märkten). Eine professionelle Hausverwaltung behält diese Fristen im Blick und erstellt rechtssichere Mieterhöhungsschreiben.
Zweitens: Modernisieren und umlegen. Energetische Modernisierungen – neue Fenster, Fassadendämmung, effizientere Heizung – berechtigen nach § 559 BGB zu einer Modernisierungsumlage von 8 Prozent der Kosten pro Jahr. Bei einer Investition von 50.000 Euro sind das 4.000 Euro jährlich, verteilt auf alle Mietparteien. Gleichzeitig steigt der Wert der Immobilie und die Heizkosten sinken – ein dreifacher Gewinn.
Drittens: Wertsteigerung durch Instandhaltung. In einem steigenden Markt profitieren gepflegte Immobilien überproportional. Vernachlässigte Objekte werden zwar auch teurer, aber der Abstand zu sanierten Immobilien wächst. Jeder Euro, den Sie jetzt in die Instandhaltung stecken, kommt bei einem späteren Verkauf doppelt und dreifach zurück.
Büromarkt: Differenzierung nimmt zu
Das Frühjahrsgutachten betrachtet nicht nur Wohnimmobilien. Auch der Büromarkt liefert interessante Erkenntnisse – vor allem für Hausverwaltungen, die Gewerbeobjekte betreuen.
Mieteinnahmen erhöhen: Ultimative Strategien für Vermieter und Immobilienbesitzer 2025
Die Nachfrage nach modernen, energieeffizienten Büroflächen in guten Lagen bleibt hoch. Gleichzeitig stehen ältere Bürogebäude in peripheren Lagen zunehmend leer. Die Immobilienweisen nennen das „Flight to Quality“: Unternehmen sind bereit, für gute Büros mehr zu zahlen – aber sie wollen weniger Fläche pro Mitarbeiter und höhere Ausstattungsstandards.
Für Eigentümer von Gewerbeimmobilien bedeutet das: Investitionen in die Qualität der Flächen sind keine Kür, sondern Pflicht. Energieeffizienz, flexible Grundrisse und gute ÖPNV-Anbindung entscheiden darüber, ob ein Bürogebäude in fünf Jahren noch vermietbar ist.
Zinsentwicklung: Stabilisierung auf mittlerem Niveau
Die Bauzinsen haben sich 2025 auf einem Niveau von rund 3,0 bis 3,5 Prozent für zehnjährige Festzinsbindungen stabilisiert. Das ist deutlich höher als die Niedrigzinsphase von 2015 bis 2021, als Baufinanzierungen teils unter einem Prozent zu haben waren. Aber es ist auch kein Schockniveau mehr – der Markt hat sich angepasst.
Das Gutachten erwartet für 2026 keine dramatischen Zinsveränderungen. Die Europäische Zentralbank hat die Leitzinsen zuletzt stabil gehalten und weitere Senkungen in Aussicht gestellt. Für Immobilienkäufer bedeutet das: Das aktuelle Zinsniveau könnte ein guter Einstiegszeitpunkt sein – besonders wenn die Preise weiter steigen.
Für Vermieter, die über Refinanzierung oder Anschlussfinanzierung nachdenken, gilt: Vergleichen Sie jetzt die Konditionen. Die Zinsdifferenz zwischen verschiedenen Anbietern kann bei einem Millionenkredit mehrere zehntausend Euro über die Laufzeit ausmachen.
Was das Zinsniveau für Hausverwaltungen bedeutet
Stabile Zinsen auf mittlerem Niveau haben eine spürbare Auswirkung auf die Verwaltungspraxis: Die Nachfrage nach Investitionsberatung steigt. Eigentümer, die in der Niedrigzinsphase günstig finanziert haben, stehen jetzt vor der Anschlussfinanzierung zu deutlich höheren Konditionen. Die monatliche Belastung kann sich um mehrere hundert Euro pro Wohnung erhöhen.
Für Hausverwaltungen, die WEG-Gemeinschaften betreuen, bedeutet das: Rechnen Sie mit mehr Diskussionen über Sonderumlagen und Rücklagenerhöhungen. Wenn einzelne Eigentümer finanziell unter Druck geraten, kann das Auswirkungen auf die gesamte Gemeinschaft haben – etwa wenn Hausgeldvorauszahlungen ausbleiben oder notwendige Sanierungen aufgeschoben werden.
Ein weiterer Aspekt: Die Forward-Darlehen-Strategie. Eigentümer, deren Zinsbindung in den nächsten 12 bis 36 Monaten ausläuft, können sich die aktuellen Konditionen jetzt per Forward-Darlehen sichern. Der Forward-Aufschlag liegt derzeit bei 0,1 bis 0,3 Prozentpunkten pro Jahr Vorlaufzeit – ein überschaubarer Preis für Planungssicherheit. Hausverwaltungen, die diesen Hinweis in der nächsten Eigentümerversammlung geben, beweisen damit finanzielle Kompetenz, die über die reine Gebäudeverwaltung hinausgeht.
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Politische Rahmenbedingungen: Bau-Turbo und neue Regulierung
Die Bundesregierung hat auf die Wohnungskrise mit dem sogenannten „Bau-Turbo“ reagiert – einem Maßnahmenpaket zur Beschleunigung von Baugenehmigungen und zur Vereinfachung von Bauvorschriften. VDP-Hauptgeschäftsführer Jens Tolckmitt begrüßt den Impuls, fordert aber zusätzliche staatliche Bürgschaften im Wohnungsneubau, um mehr bezahlbaren Wohnraum zu schaffen.
Immobilie als Kapitalanlage: Leitfaden für erfolgreiche Investitionen 2025
Gleichzeitig verschärft die Politik die Regulierung für Vermieter. Der Koalitionsvertrag von 2025 hat strengere Mietregeln angekündigt, die jetzt Stück für Stück umgesetzt werden. Die Mietpreisbremse wurde bis 2029 verlängert, Indexmieten sollen gedeckelt werden, und für möblierte Vermietung kommen erstmals Transparenzpflichten.
Das ist kein Widerspruch, sondern Realpolitik: Mehr Neubau gegen den Wohnungsmangel, strengere Regeln für den Bestand gegen explodierende Mieten. Für Vermieter und Hausverwaltungen bedeutet das: Sie müssen beides im Blick behalten – die Marktchancen nutzen und gleichzeitig die regulatorischen Grenzen kennen.
Fünf konkrete Handlungsempfehlungen aus dem Gutachten
Was sollten Vermieter und Hausverwaltungen jetzt tun? Hier die wichtigsten Ableitungen aus dem Frühjahrsgutachten:
1. Portfoliobewertung aktualisieren. Die Preise haben sich seit dem Tiefpunkt 2023 deutlich erholt. Lassen Sie Ihre Immobilien neu bewerten – das ist nicht nur für die eigene Bilanz wichtig, sondern auch für Refinanzierung und Versicherung. Eine Unterbewertung kann im Schadensfall teuer werden.
2. Mieterhöhungspotenziale prüfen. Bei steigenden Vergleichsmieten gibt es oft Spielraum für Mietanpassungen. Prüfen Sie für jedes Objekt, ob die aktuelle Miete noch marktgerecht ist. Dabei helfen aktuelle Mietspiegel, Mietdatenbanken und die Erfahrung einer professionellen Hausverwaltung.
3. Energetische Sanierung planen. Mit steigenden Energiepreisen und verschärften GEG-Anforderungen wird energetische Sanierung immer wirtschaftlicher. Das Gutachten bestätigt: Energieeffiziente Immobilien erzielen höhere Mieten und Verkaufspreise. Planen Sie jetzt – denn die Wartezeiten bei Fachhandwerkern sind lang.
4. Neubau als Investment prüfen. Dachgeschossausbau oder Nachverdichtung können in diesem Marktumfeld attraktive Renditen liefern – besonders in Städten mit hoher Nachfrage und begrenztem Neubau. Die Baugenehmigungen steigen, aber es braucht noch mehr Initiative von privaten Investoren.
5. Regulierung im Blick behalten. Das regulatorische Umfeld verändert sich schnell. Mietpreisbremse, Indexmieten-Deckel, Möblierungszuschlag-Transparenz – wer nicht aufpasst, macht Fehler, die teuer werden. Investieren Sie in professionelle Verwaltung und rechtliche Beratung.
Fazit: Ein Markt zwischen Chancen und Regulierung
Das Frühjahrsgutachten 2026 bestätigt, was viele Marktteilnehmer bereits gespürt haben: Der Immobilienmarkt hat den Zinsschock verdaut und befindet sich wieder im Aufwärtstrend. Die Preise steigen, die Mieten steigen, die Nachfrage übersteigt das Angebot – und das wird sich auf absehbare Zeit nicht ändern.
Für Vermieter und Hausverwaltungen ist das eine gute Nachricht, die mit Verantwortung kommt. Steigende Werte erfordern professionelles Management. Strengere Regulierung verlangt rechtssicheres Handeln. Und der Wohnungsmangel macht gute Vermietung wichtiger denn je – für Mietende, die bezahlbaren Wohnraum brauchen, und für Eigentümer, die ihre Immobilie als nachhaltige Kapitalanlage erhalten wollen.
Die Zahlen sind da. Jetzt liegt es an Ihnen, die richtigen Schlüsse zu ziehen.


